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    Was? Du hast mit einem Mann Sex, der kein Geld hat?

    Sex ohne Geld

    Vor ein paar Tagen sass ich am Berliner Flughafen und habe eine Diskussion zwischen zwei attraktiven Frauen Anfang dreissig mitverfolgt, die ich einfach nicht mehr aus dem Kopf bekam. Der Einfachheit halber nenn’ ich die beiden Sabine und Ute.

    Sabine: „Was? Du hast mit einem Mann Sex, der kein Geld hat?

    Ute: „Kann doch jetzt nicht sein, dass dies deine Einstellung ist. Mir sind die Emotionen, die Chemie und die Liebe zu einem Menschen wichtiger als Geld. Nur weil er jetzt nicht einen Porsche in der Garage hat, soll ich ihn deiner Ansicht nach nicht mehr treffen?“

    Sabine: „Willst du dich in Emotionen mit einem Mann verlieren, der kein Geld hat? Das ist doch reine Zeitverschwendung! Möchtest du später jeden Rappen umdrehen müssen, wenn du dir was kaufen willst, nur weil ihr finanziell nicht unabhängig seid. Den Mann auszusuchen, der es für immer sein soll, ist eine der grössten Entscheidungen im Leben, die es ernst zu nehmen gilt. Wenn die Schmetterlinge im Bauch erst mal verflogen sind, ist es wichtig, dass der Mann erfolgreich ist und finanziell auf eigenen Beinen steht. Auch mir sind Werte wie Loyalität, Intellekt und Familiensinn wichtig. Aber die Art, wie ein Mann sein Geld managt, sagt unglaublich viel über ihn als Person aus. Es zeigt zum Beispiel, ob er Verantwortungsbewusstsein hat – und das wünscht sich doch jede Frau. Es zeigt auch, wie er mit Problemen umgeht und ob er den einen oder anderen Stolperstein im Leben gut umschiffen kann. Die Chemie muss auch stimmen, natürlich, aber es ist schon wichtig, einen klaren Blick für die anderen Dinge zu haben. Viele unterschätzen, wie wichtig ein finanzielles Polster ist – es bedeutet Freiheit!“

    Ich frage mich: Kann man wirklich mit einer Checkliste auf Männersuche gehen? Ist Geld ein Garant für eine glückliche Partnerschaft? Ich habe meine Schwester um ihre Meinung gefragt. Franziska Gygax ist ausgebildete Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Zudem bloggt sie auf ihrem Blog (www.gygyblog.com) über spannende Themen aus den Bereichen Leben, Liebe, Familie und Psychologie:

    Keine Romantik, kein sentimentales Geschwafel über Liebe, Hingabe, Treue und all den anderen nutzlosen Kram. Aha. Im Ernst? So scheint es zumindest auf den ersten Blick.

    Sabine sagt, dass ihr neben finanzieller Sicherheit Werte wie Loyalität, Intellekt und Familiensinn wichtig sind. Und Verantwortungsbewusstsein soll ihr Partner haben. Verantwortungsbewusstsein wiederum lässt sich an vielen Dingen beobachten und lässt sich kaum nur daher ableiten, wie ein Mann sein Geld managt. Oder ob er Porschefahrer ist. Gerade wenn Familie im Spiel ist, zeigt sich sehr deutlich, ob ein Mann Verantwortung übernehmen kann.

    Für Sabine muss die Chemie stimmen, jedoch nicht so sehr, als dass der Blick sich trüben könnte für andere wichtige Dinge. Das kann man so interpretieren, dass die anfängliche Verliebtheit auf Sparflamme gehalten wird. Keine rosarote Brille und kein Tanz auf Wolke sieben. Immer schön sachlich. Doch gerade die anfängliche Verliebtheit kann für Paare eine wichtige Ressource sein. Je stärker, desto besser. Ein Gefühl, an das man sich auch in schwierigeren Zeiten gerne zurück erinnert und das die Beziehung enorm stärken kann.

    Bei Sabine scheint es so, als gehe es nicht um Vertrauen, Hingabe oder Glück. Persönlich könnte ich das nicht, aber ein Mensch kann sich aufgrund seiner Prägungen und Erfahrungen auf diesen Lebensplan festlegen. Sabine ist damit nicht alleine. Viele Menschen haben nämlich die Tendenz, ihre Eindrücke, ihre Erlebnisse und Erfahrungen so zu ordnen und zu einem gewissen Bild zusammenzufassen und daraus etwas zu lernen. Das passiert bereits als Kind. So schreiben die Menschen ihr (oft) unbewusstes Drehbuch fürs Leben – ihr inneres Drehbuch – darüber wie sie selbst sein sollen, wie Andere, die Welt und das Leben sein sollen. In diesem Drehbuch steht auch, wer ein Gewinner oder wer ein Verlierer wird. Positive Lebensentwürfe können uns stärken. Destruktive Lebenspläne können die Lebensqualität mindern.

    Die finanzielle Sicherheit hat für Sabine einen wichtigen Stellenwert bei der Partnerwahl. Daran ist nichts Verwerfliches. Finanzielle Sicherheit als Garant für die Erfüllung von Träumen. Ein gemeinsames Leben. Eine Familie. Vielleicht ein Eigenheim. Ohne Geld schwer machbar. Das ist wohl wahr.

    Finanzielle Sicherheit ist für viele Paare ein wichtiger Faktor. Stimmt es bei den Finanzen nicht, sind Schwierigkeiten und Streitigkeiten in der Beziehung vorprogrammiert. Das ist auch in der Paarberatung immer wieder ein Thema. Es gibt eine Studie der Cornell Universität aus dem Jahr 2010, die belegt, das ungleiche Einkommen sogar fatale Folgen haben können. Wenn die Frauen ein deutlich höheres Einkommen erzielen als Männer, laufen sie bis fünfmal häufiger Gefahr, betrogen zu werden. Diese Statistik spricht wieder für die Argumente von Sabine. Aber Halt, keine voreiligen Schlüsse…Laut dieser Studie sind auch die Männer häufig untreu, die deutlich mehr verdienen als ihre Frauen. Das Verhältnis sollte also stimmen und liegt laut dieser Studie bei 100 zu 75 Prozent.

    Der Mann benötigt keinen Humor, er muss nicht liebe- und verständnisvoll sein. Aber loyal. Loyal ja, aber was ist mit Treue? Das ist nämlich nicht das Gleiche. Anscheinend nicht so wichtig. Solange er genügend Kohle hat…

    Das könnte man meinen, wenn man den Argumenten von Sabine zuhört. Paare kommen oft erst in die Paartherapie, wenn es schon zu spät ist. Wenn von der grossen Liebe nichts mehr übrig ist. Hat Sabine recht? Oder doch nicht?

    Soll man auf die Liebe bauen? Ich sage JA, unbedingt. Ein dreifaches Hoch auf die Liebe. Aber wie ist das denn mit der Liebe im wahren Leben? Ist Glück in der Liebe wirklich eine Sache mit Seltenheitswert? Liz Taylor hat es ganze acht Mal versucht. Jede ihrer Ehen ist gescheitert. Sie hat trotzdem nicht aufgehört ans Glück zu glauben. Richard Burton auch nicht. Sie trennten sich und heirateten wieder und trennten sich und haben dann noch mal geheiratet. Es klappte einfach nicht. Weder mit der Treue, noch mit der Ehe oder mit dem Glück.

    Soll man deswegen nicht mehr an die grosse Liebe glauben und sich mit sachlichen Argumenten auf die Partnersuche begeben? Bitte nicht. Was wäre das für eine Welt? Die Liebe ist etwas Wunderbares. Etwas Kostbares. Damit Partnerschaft gelingt, braucht es keinen Plan. Und auch mit Glück hat es nichts zu tun. Es ist wohl eher so, dass man etwas von Kunst verstehen muss – der Kunst, eine Beziehung zu führen.

    Wenn man diese Kunst beherrscht, ist es egal, ob ein Mann (oder Frau) Geld hat oder ob er Porsche fährt.

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