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    Die Verwandlung.

    Niessende Frau, Heuschnuppen

    Alle, die Heuschnupfen haben, wissen, dass es nicht übertrieben ist, von Kafkas Verwandlung zu sprechen, resp. Parallelen zu ziehen. Anstelle von Gregor Samsa könnte die Geschichte mit mir beginnen, wie ich mich in die Glöcknerin vom Fraumünster verwandle.

    Als Sabrina Pesenti eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand sie sich in ihrem Bett zu einem ungeheuren Monster verwandelt. Sie lag auf ihrem Rücken und sah erst mal gar nichts, weil ihre Augen völlig verklebt waren. Die Nase war zu und das Geräusch, das durch Atmen durch den Mund entstand, glich dem eines pfeifenden Teekessels.

    So sieht ein Morgen, an dem ich am Abend vorher keine Antihistamine genommen habe für mich im Frühling – vor allem Februar und April (Hasel, Birke) aus. Ok, ganz schlimm im April…

    Den Höhepunkt erreicht die Mutation im April, dann blüht die Birke, dieser listige Arschlochbaum und die Lieblingsbegrünung der Architekten, die ausschliesslich diesen Mistbaum zu kennen scheinen, um damit ihre analen Bauten zu „begrünen“.

    Mein Tränenkanal verstopft sich und die Folge davon: Augen die so geschwollen sind, als hätte mich eine Horde Wespen gestochen. Dazu kommt das nicht stoppbare Fliessen der Nase, welches sich gegen Abend in einer satten roten Umrandung der Nase manifestiert. In Kombination mit den zugeschwollenen Augen – unwiderstehlich, ich sägs eu!

    Selbstverständlich muss ich ja trotzdem nach Luft schnappen, also atme ich durch den Mund. Nach spätestens einer Stunde beginnt dann das lässige Lungenpfeiffen, so dass ich tropfend, schniefend, geschwollen und gerötet durch die Gegend torkle, halb betäubt vom Antihistaminikum, das mich dermassen ermüdet, dass narkoleptische Anfälle das Bild der vermeintlich Debilen abrunden. Vom Schnarchen in der Nacht ganz zu schweigen.

    Was habe ich schon alles probiert… Der Gang zur Chinesiologin, mit Arm heben und der obligaten Diagnose „keine Kuhmilch“ inklusive. Desensibilisierung, welche mir Popeye Arme verschaffte aber sonst keine Linderung brachte und selbstverständlich auch liebliche Kügelchen, Tropfen und Kräuter.

    Ein halbes Jahr vor Beginn der Mutation in ein sich auflösendes Tropfwesen, halte ich nun eine tierproduktfreie Diät, sprich vegane Lebensform. Und tatsächlich, bedauerlicherweise hilft es… Wird es ganz schlimm, gibt es bei mir nur eins: Kortison.

    Langfristig wäre während der Birkenblütezeit eine Dislozierung in die Sahara wohl angebracht, oder aber ich lasse mich für einen Monat in ein künstliches Koma versetzten und wache im Sommer wieder auf. Gräser mögen mich nämlich…

     

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    1 Comment

  • Isabelle Hacker
    März 27, 2016 at 1:03 am

    Köstlich geschrieben!! Kafka ist schwach dagegen???…
    Sehe diese Verwandlung jeden Frühling an meinem Schatz, trifft alles aber sowas von zu!

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